Sebastian'S POINT OF VIEW

EU KI-Kennzeichnungspflicht für Bilder: Was Unternehmen wissen müssen

Künstliche Intelligenz verändert die Unternehmenskommunikation rasant. Bilder, die früher nur mit einer Kamera und viel Erfahrung entstanden sind, lassen sich heute innerhalb weniger Sekunden per KI erzeugen. Doch mit dem EU AI Act gelten neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-generierte Inhalte. Was bedeutet das für Unternehmen? Wann müssen KI-Bilder gekennzeichnet werden? Und warum gewinnt professionelle Unternehmensfotografie dadurch sogar an Bedeutung?

Als Business- und Industriefotograf begleite ich seit über 25 Jahren Unternehmen in Aachen, Köln, Düsseldorf und ganz Nordrhein-Westfalen bei der Erstellung authentischer Bildwelten. In den letzten Monaten wird mir immer häufiger dieselbe Frage gestellt:

„Brauchen wir künftig überhaupt noch einen Fotografen, wenn KI inzwischen fast alles kann?“

Meine Antwort lautet eindeutig:

Ja – denn Vertrauen lässt sich nicht generieren. Vertrauen muss sichtbar werden.

Genau deshalb wird professionelle Unternehmensfotografie im Zeitalter künstlicher Intelligenz sogar noch wertvoller.


Was ist die EU KI-Kennzeichnungspflicht?

Mit dem EU AI Act hat die Europäische Union erstmals einen umfassenden Rechtsrahmen für den Einsatz künstlicher Intelligenz geschaffen. Ziel der Verordnung ist es, Innovation zu fördern und gleichzeitig Verbraucher vor Täuschung, Manipulation und Missbrauch zu schützen.

Ein wichtiger Bestandteil sind die sogenannten Transparenzpflichten.

Diese verpflichten Anbieter und Betreiber bestimmter KI-Systeme dazu, künstlich erzeugte oder manipulierte Inhalte in bestimmten Fällen kenntlich zu machen. Besonders relevant sind dabei sogenannte Deepfakes, also Inhalte, die reale Personen, Ereignisse oder Situationen täuschend echt nachbilden können.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines:

Wer KI in Marketing, Recruiting oder Unternehmenskommunikation einsetzt, sollte sich frühzeitig mit den neuen Anforderungen beschäftigen und transparent mit künstlich erzeugten Inhalten umgehen.


Müssen alle KI-Bilder gekennzeichnet werden?

Nein.

Hier kursieren derzeit zahlreiche Missverständnisse.

Der EU AI Act sieht keine pauschale Kennzeichnungspflicht für jedes Bild vor, bei dessen Erstellung oder Bearbeitung KI eingesetzt wurde. Entscheidend sind vielmehr die konkrete Nutzung, die Art des Inhalts und die gesetzlichen Vorgaben für den jeweiligen Anwendungsfall.

Moderne Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop oder Adobe Lightroom nutzen heute bereits an vielen Stellen künstliche Intelligenz – beispielsweise für:

  • Rauschreduzierung
  • automatische Motivauswahl
  • intelligente Freistellung
  • Farbkorrekturen
  • Schärfung
  • Retusche
  • Entfernen störender Objekte
  • generatives Erweitern einzelner Bildbereiche

Diese Funktionen unterstützen den Bearbeitungsprozess eines real aufgenommenen Fotos.

Dadurch wird aus einem echten Foto nicht automatisch ein KI-generiertes Bild.

Anders kann die Situation aussehen, wenn Bilder vollständig künstlich erzeugt werden oder gezielt den Eindruck vermitteln sollen, eine reale Aufnahme oder ein tatsächliches Ereignis zu zeigen. Hier können – abhängig vom konkreten Einsatzbereich – Transparenzpflichten greifen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Unternehmen sollten die jeweils aktuellen gesetzlichen Anforderungen prüfen und bei Bedarf juristischen Rat einholen.


Warum das Thema für Unternehmen immer wichtiger wird

Noch vor wenigen Jahren waren professionelle Fotos ein eindeutiges Qualitätsmerkmal.

Heute kann nahezu jeder innerhalb weniger Minuten mit KI ein scheinbar perfektes Bild erstellen.

Auf den ersten Blick wirkt das beeindruckend.

Auf den zweiten Blick stellt sich jedoch eine entscheidende Frage:

Ist das Bild überhaupt echt?

Genau diese Unsicherheit verändert das Verhalten von Kunden, Bewerbern und Geschäftspartnern.

Menschen möchten wissen,

  • ob gezeigte Mitarbeiter tatsächlich im Unternehmen arbeiten,
  • ob Produktionsanlagen wirklich existieren,
  • ob Referenzprojekte authentisch sind,
  • ob ein Unternehmen transparent kommuniziert.

Je häufiger künstliche Inhalte veröffentlicht werden, desto größer wird der Wert authentischer Fotografie.


Authentizität wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil

Ich arbeite täglich mit Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen:

  • Industrie
  • Maschinenbau
  • Handwerk
  • Gesundheitswesen
  • Forschung
  • Architektur
  • Immobilienwirtschaft
  • Gastronomie
  • Hotellerie
  • Dienstleistungsunternehmen

Alle verfolgen ein gemeinsames Ziel:

Sie möchten Vertrauen aufbauen.

Dieses Vertrauen entsteht nicht durch perfekt aussehende Bilder.

Es entsteht durch Glaubwürdigkeit.

Ein professionelles Unternehmensfoto zeigt keine idealisierte Version eines Unternehmens.

Es zeigt die Realität.

Die echten Mitarbeiter.

Die tatsächlichen Arbeitsplätze.

Die vorhandenen Maschinen.

Die Produkte.

Die Unternehmenskultur.

Genau diese Echtheit wird in Zukunft zu einem immer stärkeren Wettbewerbsvorteil.


Warum KI echte Unternehmensfotografie nicht ersetzen kann

Künstliche Intelligenz kann heute beeindruckende Motive erzeugen.

Sie kann moderne Büros entwerfen.

Sie kann Produktionshallen visualisieren.

Sie kann sympathische Mitarbeiter erschaffen.

Sie kann perfekte Lichtstimmungen simulieren.

Was sie jedoch nicht kann:

Sie kann Ihr Unternehmen nicht dokumentieren.

Sie kennt weder Ihre Mitarbeitenden noch Ihre Unternehmenskultur.

Sie kennt Ihre Produktionsabläufe nicht.

Sie kennt Ihre Qualitätsstandards nicht.

Sie kennt Ihre Geschichte nicht.

Professionelle Unternehmensfotografie dokumentiert dagegen genau diese Realität.

Sie zeigt, wer Sie sind – nicht, wer Sie sein könnten.

Gerade im B2B-Bereich, im Recruiting und bei erklärungsbedürftigen Produkten ist dieser Unterschied von enormer Bedeutung.

Denn Menschen kaufen nicht nur Produkte.

Sie kaufen Vertrauen.

Und Vertrauen entsteht durch Authentizität.